Kraniche am hessischen Himmel

Der Grus grus lässt grüßen

von Jens Föller, 16. Februar 2018, Naturwissenschaft

 

Der nächste Frühling naht – und mit ihm die Kraniche (Grus grus) aus dem Süden. Die Rückkehrer aus ihren südeuropäischen Winterquartieren erfüllen Hessens Himmel und lassen die Herzen aller Vogelfreunde höherschlagen. Und dank ornitho.de kann jeder mit seiner Sichtung einen Beitrag zur Wissenschaft leisten.

Es herrscht wieder viel Verkehr und Fluglärm in Hessens Luftraum – doch diesmal sind nicht die Flugzeuge schuld: Zehntausende Kraniche kehren aus ihren Winterquartieren in Frankreich und Spanien zurück und machen sich dabei lautstark bemerkbar. Über Hessen führt dabei einer der wichtigsten westeuropäischen Zugkorridore für die Vögel. Im Frühjahr führt ihre traditionelle Route sie eher über den Westerwald und Nordhessen. Im Herbst ziehen sie über den Vogelsberg und die Schwalm, den Großraum Gießen und anschließend über den Taunus gen Süden. In den letzten Jahren flogen sie aber auch verstärkt östlich des Vogelsberg-Kinzigtals und der Wetterau folgend.

Den Himmel stets im Blick hat Matthias Korn von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Er und seine Kollegen beobachten nicht nur die Kraniche, sie kümmern sich auch um andere Tierarten in Hessen und setzen sich für den Erhalt der regionalen Flora und Fauna ein.

 

Matthias Korn von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON)

Matthias Korn ist schon seit Jahren für die HGON aktiv.

 

Boxenstopp in hessischen Gefilden

Kraniche bewältigen bis zu 2000 Kilometer am Stück – und brauchen dazu gutes Wetter. „Diese Vögel orientieren sich nicht wie andere am Magnetfeld der Erde, sondern an optischen Landmarken wie Mittelgebirgen oder Flussläufen“, weiß Korn. Werden die Vögel doch einmal im Flug von schlechtem Wetter erwischt, landen sie auf sogenannten Notrastplätzen. „In Mittelhessen gibt es dafür nur wenige geeignete Stellen: die Horloffaue südlich von Hungen, die Lahnaue bei Heuchelheim-Dutenhofen oder das Amöneburger Becken nahe Marburg“, erklärt Korn. Wer einen Schwarm an einem solchen Rastplatz entdeckt sollte folgende Regel beachten: Unbedingt genug Abstand halten! Kraniche sind sehr scheu, darum sollte man mindestens 500 Meter entfernt bleiben.

Online dem Schwarm folgen

Deutschlandweit kümmert sich der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) um die Erfassung der Vogelwelt – und bezieht dazu auch die Öffentlichkeit mit ein. So kann jeder seine Vogelsichtungen bei ornitho.de melden. Das Portal steht allen vogelkundlich Interessierten offen und dokumentiert jegliche Beobachtung von Vögeln deutschlandweit in einer Datenbank. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Nutzer interessierter Laie oder studierter Ornithologe ist. Die Daten werden dann in Karten dargestellt, so dass jeder Nutzer die Zugbewegungen der jeweiligen Vogelschwärme nachverfolgen kann; dank ständiger Aktualisierung sogar fast live.

Das Portal ging in Deutschland 2011 an den Start. Vorbild war das Portal ornitho.ch aus einem Teilbereich der Schweiz. Seitdem stiegen die Nutzerzahlen und Beobachtungen bei ornitho.de stetig. Anfang 2018 wurde die Grenze von 30 Millionen Beobachtungen überschritten, mehr als 23.000 Personen sind aktuell registriert. Heute gibt es für weite Teile Mittel- und Westeuropas vergleichbare Portale, die alle auf der gleichen Grundstruktur arbeiten und so vielfältige Möglichkeiten der länderübergreifenden Zusammenarbeit zu vogelkundlichen Themen ermöglichen.

Der Zug der Kraniche – digital

Diese Grafik zeigt den jährlichen Zug der Kraniche über Europa. Jeder rote Punkt ist eine Kranichsichtung, gemeldet von Vogelinteressierten und Fachleuten. Portale wie ornitho.de sammeln die Daten, die Bürger und Wissenschaftler bereitstellen und bereiten sie anschließend in Grafiken wie dieser auf – frei verfügbar für jeden Interessierten.

Im Dienste der Wissenschaft

Ornitho.de bietet wertvolle Informationen für wissenschaftliche und naturschutzfachliche Auswertungen. Zugverhalten, Brutgebieterfassung, jahreszeitliche Verteilung und vieles mehr kann erstmals flächendeckend und überregional und international ausgewertet werden. Für aktive Nutzer stehen auch Datenbankabfragen zur Verfügung, die als Liste, Grafik oder Karte ausgegeben werden können.

Es zählen alle Beobachtungen: Allerweltsarten wie Kohlmeise oder Amsel aber auch seltene Sichtungen von Würgfalke und Goldhähnchen-Laubsänger. Es spielt keine Rolle ob die Beobachtungen dabei auf dem Weg zur Arbeit, nach Feierabend auf der Terrasse oder am Wochenende beim Besuch eines Vogelschutzgebietes gemacht werden. Mit der App NaturaList können die Nutzer ihre Beobachtungen direkt vor Ort erfassen.

Wenn also der nächste Schwarm Kraniche über deinen Kopf fliegt, du ihre Gruuu-Gruuu-Rufe hörst und einen kleinen Beitrag zur riesigen Datenbank von ornitho.de beisteuern möchtest: Erstelle ein Nutzerkonto. Melde deine Beobachtungen. Werde Teil eines besonderen Projekts.

Was machen Kraniche am Valentinstag?

Fast pünktlich zum Valentinstag fliegen die Kraniche zurück zu ihren Brutplätzen in Nordeuropa. Über 9.000 der mehr als 130.000 Kranichpaare leben in Deutschland. Ihre Balztänze erinnern mit Sprüngen, Flügelschlägen und Zickzackläufen an ein Ballett. Bis auf wenige Ausnahmen bleibt ein Kranichpaar sein ganzes Leben lang zusammen. Die Nester der Kraniche befinden sich in feuchten bis nassen Gegenden auf dem Boden. Zwischen Mitte März und Anfang April beginnen die Kraniche Eier zu legen. Die Jungen begleiten die Eltern bereits nach einem Tag bei der Nahrungssuche.


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