Hessen funzt am Girls’ Day 2018

Lötkolben und Mikroskop statt Lippenstift und Schminkspiegel

Yvonne Zeddies, 17. Mai 2018, Technik, Naturwissenschaft

Elektroniker, Naturwissenschaftler, Informatiker – alles sogenannte Männerberufe. Warum eigentlich? Der Girls’ Day zeigt, dass Frauen in vielen „Männerberufe“ genauso gut sind wie Männer.

Am 26. April 2018 fand deutschlandweit zum 17. Mal der Girls’ Day statt. Rund 10.000 Unternehmen und Organisationen aus Bereichen wie Technik, Handwerk und Naturwissenschaften zeigten Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren was es heißt, in diesen Branchen zu arbeiten.

 

Seit 2014 öffnet das Max-Planck-Institut für Hirnforschung (MPI) in Frankfurt am Main jungen Mädchen am Girls’ Day seine Türen. „An diesem Tag zeigen wir jungen Schülerinnen woran wir im MPI forschen. Außerdem sollen sie erfahren, dass eine Karriere als Neurowissenschaftlerin auf jeden Fall mit einer Familie vereinbar ist“, so Dr. Arjan Vink, im MPI für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Am diesjährigen Girls’ Day kamen 20 Teilnehmerinnen zum MPI. Sie extrahierten u.a. DNA aus Erdbeeren, vervielfältigten ein bestimmtes DNA-Fragment mit Hilfe von PCR und trennten es anschließend über Gel-Elektrophorese. Junge ForscherInnen standen ihnen dabei tatkräftig zur Seite. „Es ist uns sehr wichtig, dass junge Mädchen mit engagierten Wissenschaftlerinnen in Kontakt kommen. So sehen sie, dass Frauen genauso ihren Platz in der Wissenschaft haben wie Männer“, so Vink.

„Die Zukunft ist offen und gehört euch! Entscheidet selbst und macht was euch begeistert und Spaß macht!“

Arjan Vink, Max-Planck-Institut für Hirnforschung

Wie kann man die DNA der Erdbeere vervielfältigen?

Erdbeeren stecken voller süßem Fruchtzucker – und voller DNA. Um diese zu extrahieren nutzt man die Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Wissenschaftler wählen 15 bis 40 DNA-Abschnitte aus, die sie untersuchen wollen und trennen die DNA unter Hitzeeinwirkung auf. Dann werden kurze DNA-Stücke – sogenannte Primer – hinzugegeben, die sich an die aufgetrennten DNA-Stränge heften. Das Enzym „DNA-Polymerase“ setzt an diesen Primern an und komplettiert den DNA-Strang wieder. So entsteht eine Kopie des ursprünglichen DNA-Strangs. Das Ganze wiederholen die Wissenschaftler, bis genug DNA der ausgewählten Abschnitte für eine Analyse vorhanden ist.

Auch die Firma Bender aus dem hessischen Grünberg beteiligt sich seit Jahren am Girls’ Day. Sie entwickeln unter anderem Schutz- und Überwachungssysteme für Stromnetze, die an Filmsets beispielsweise für Unterwassershootings verwendet werden. Aber sie versorgen auch Krankenhäuser mit Überwachungssystemen, damit es dort nicht zu Stromausfällen kommt. „Gerade in Bereichen, in denen es um Menschenleben geht, sind qualitativ hochwertige Produkte mit geringer Ausfallquoten elementar“, sagt Holger Weitzel, Ausbildungsleiter für technische Berufe bei Bender. Für ihn ist es wichtig, auch junge Mädchen für Berufe in der Elektronik zu begeistern: „Frauen haben ein hohes Qualitätsverständnis. Sie arbeiten akribisch, lesen Anleitungen und wollen genau verstehen wie etwas funktioniert. Jungs hingegen probieren oft einfach aus.“

Am 26. April konnten bei Bender 16 Mädels einfach ausprobieren und verschiedene Aufgabenfelder aus der Elektronik kennenlernen. Sie löteten, programmierten und bauten ein elektronisches Würfelspiel. „Der Girls’ Day ist eine tolle Sache, denn es gibt fast keine geschlechterspezifischen Berufe. An diesem Tag zeigen wir den Mädels genau das und begeistern hoffentlich auch einige für unsere technischen Berufe“, erklärt Weitzel.

„Es ist gut, dass es den Girl’s Day gibt, aber auch schade, dass er nötig ist.“

Holger Weitzel, Bender GmbH


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